Vom Mittelalter in die Neuzeit

Dieser Artikel ist die Fortsetzung eines Blogbeitrags, den ich bereits am 29.04.2015 veröffentlicht habe. Ich empfehle daher jedem, zuerst diesen Artikel zu lesen, damit klar wird, worum es geht. Außerdem macht es bestimmt Spaß.

Tiefstes Mittelalter

MAJetsons

Nun geht es also endlich weiter m it der Geschichte vom redlichen Michel und seiner liebreizenden Gattin, die ein kleines Ross veräussert hatten und sich anschließend ungerechtfertigten Anschuldigungen seitens des Käufers ausgesetzt sahen.

Einige Zeit nachdem der von Michel und seiner Frau beauftragte Advokatus seine Depesche verschickt hatte, kam eine Antwort, welche leider gar nicht gefiel, denn der Kohlenbrenner hatte sich seinerseits auch der Dienste eines Advokatus versichert und beharrte auf seiner Aussage, dass das vom Michel und seiner Frau verkaufte schwäbische Pferchen krank, ja sogar todkrank sei und nun nun entweder seine Taler zurückerhalten oder das Pferd zurückgeben möchte, da dies nur noch für den Abdecker tauge.

So traf man sich dann vor dem Kadi des Landgrafen wieder, wo Justitia residierte und ein ehrenwerter unparteiischer Richter die Auslassungen beider Parteien hörte. Merkwürdigerweise erhielt Michels Frau, welche die eingetragene Eigentümerin besagten Rosses war, in der Zwischenzeit eine Strafdepesche, denn der Kohlenbrenner hatte das Reittier, entgegen der Vereinbarung des Kaufkontrakts, noch nicht bei seinem heimischen Stalle angemeldet. Darüber hinaus hatte er es fertig gebracht, im gestreckten Galopp erwischt zu werden, wo nur traben erlaubt war, und dies mit einem angeblich todkranken Pferdchen.  Es kam daher, wie es kommen musste und die Klage des Kohlenbrenners wurde abgeschmettert.

Leider war dies für Michel und seine Holde immer noch nicht das Ende der Geschichte, denn der zornentbrannte Gegner beauftragte seinen Advokatus, mit dem Falle zum nächsthöheren Gerichtshof zu ziehen. So war nun ein eigentlich geringfügiger Handel als Casus beim Herzoglichen Oberlandesgericht anhängig, welches aber gleich in einer Depesche an alle Parteien mitteilte, dass man aufgrund vieler laufender Verfahren nicht vor zwölf bis achtzehn Monaten mit einer ersten Antwort zu rechnen habe, von einem Verhandlungstermin ganz zu schweigen. Es kam wie angekündigt und mehr als zwei Jahre nach dem Verkauf des Pferdes erhielt der Michel eine Depesche des herzoglichen Gerichts. Es handelte sich um die Abschrift einer Depesche an den Kohlenbrenner, in welcher ihm abgeraten wurde, sein Ansinnen weiter fortzutreiben, da es keine Aussicht auf Erfolg habe. Es wurde ihm sogar ein Nachlass bei den Gerichtskosten versprochen, wenn er dies täte. Dies bewegte den sturen Kohlenbrenner allerdings nicht zum einlenken. Dem herzoglichen Gericht war der ganze Vorgang aber keine persönliche Verhandlung wert, schließlich hatte man sich dort um die echten Schurken zu kümmern, und es sandte dem Kohlenbrenner eine gesiegelte Depesche, welche die Entscheidung des landgräflichen Gerichts bestätigte und keine weitere Einrede zuließ.

Somit war der Kohlenbrenner nunmehr auch verpflichtet, dem Michel und seiner Frau sämtliche Taler zu zahlen, die diese für ihren Advocatus und die Kosten der Gerichte verauslagt hatten. Und auch hier war der Ärger nicht zu Ende, denn der Talerfluss kam nicht vollständig, so dass Michels Advokatus erst den landgräflichen Geldeintreiber  einschalten musste, der die Schulden dann zwangsweise beizutreiben hatte. So waren nunmehr fast drei Jahre seit dem Verkauf des Pferches vergangen und erst jetzt konnten der redliche Michel und seine holde Gattin wieder ruhig und ohne Sorgen schlafen.

Tolle Geschichte, was? Ich hoffe, Ihr habt sie gerne gelesen und dem Michel natürlich die Daumen gedrückt.

CU

P.S. Wer jetzt immer noch nicht geschallt hat, warum es geht, bitte die Schlagworte lesen.😜

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Urlaubslektüre

Okay, jetzt ist es soweit. Ich drehe völlig durch und schwinge mich zum Literaturkritiker auf. Auch wenn Reich-Ranicki sich jetzt im Grabe ‚rumdreht, ich muss es einfach tun, denn dieses Buch hat mein Leben verändert.


Einen Scheiß muss ich von Sean Brummel ist der ultimative Ratgeber für Alle, Alles und Jeden. Noch nie hat es jemand geschafft, den vollständigen Sinn des Lebens und die Anleitung zum ultimativen Glücklichsein zwischen zwei Buchdeckel zu pressen aber Sean hat das Unvollstellbare wahr gemacht und ich danke ihm dafür von Herzen. Schon während der ersten Kapitel erkannte ich meine Fehlverhalten, in der Folge konnte ich durch die gezielten Hilfestellungen an mir arbeiten und nun, nachdem ich das Buch komplett durchgearbeitet und alle Checklisten abgehakt habe, kann mich nichts mehr davon abhalten so zu sein, wie ich es mir schon immer erwünscht habe.

Jetzt aber mal ernsthaft. Sean Brummel existiert natürlich überhaupt nicht. Er und seine sämtlichen Ausführungen im Buch Einen Scheiß muss ich sind frei erfunden vom deutschen Autor Tommy Jaud (bekannt durch Vollidiot und Hummeldumm) und es handelt sich natürlich „nur“ um einen grandiose Verarsche aller (Lebens-) Ratgeberbücher und deren Autoren.

Hier zum Beispiel nur einmal zwei kleine Punkte aus der unendlichen Fülle derWeisheiten:

  • Wenn ich mitten in der Nacht aufwache, habe ich abends einfach nicht genug gesoffen
  • Ich schiebe nichts auf, ich befinde mich in einem hochintelligenten Prozess kontinuierlicher Neu-Priorisierung

Alles klar?

Jetzt kommt das Erschreckende an der Geschichte. Viele der im Buch enthaltenen Ratschläge und Tips sind nach Abzug der Satrirekomponente absolut stichhaltig und nachvollziehbar. Ich sage das deshalb, weil ich mich beruflich einige Jahre mit Verhaltenstraing und Verkauftraining beschäftigt habe (beschäftigen musste) und in diesem Zusammenhang nicht nur diverse Ratgeberbücher gelesen sondern auch verschiedene Trainer, Motivatoren und Speaker (ja, so nennt man die) kennengelernt habe. Diese ganzen Jungs und Mädels kochen alle nur mit dem gleichen Wasser. Sie rühren es im Kessel möglicherweise in verschiedenen Richtungen und verschiedenen Geschwindigkeiten um und fügen jeweils andere Gewürze in Form von Philosophie, Buddhismus, Sport oder was auch immer dazu. Auf der Bühne steht der Eine in Schlips und Kragen am Rednerpult, der Zweite hüpft wie ein Gummiball im Trainingsanzug (mit Frotteestirnband) herum und wieder Andere haben ihre eigenen Maschen. Fest steht aber, dass bei allen die gleich lauwarme Suppe herauskommt. Und dafür, dass einem hier nichts erzählt wird, was der gesunde Mensch nicht bereits seit Geburt weiß, erhalten diese Leute dann auch noch teilweise astronomisch hohe Honorare.

So, jetzt habe ich genug gelästert. Eigentlich wollte ich Euch ja nur einen Ratschlag mit auf den Weg geben, der auch Euer Leben verändern wird:

Kauft dieses Buch!

Und wenn Ihr jetzt denkt, was soll das Geschreibsel und warum muss ich mir dieses dämliche Buch kaufen – Einen Scheiß muss ich! – dann seid Ihr auf dem richtigen Weg.

CU

Edit 25.08.2016: Flattersatz entfernt