Der Würgefloh oder Gefährliches Halbwissen (4)

Endlich ist es soweit. Im Rahmen dieser Serie bin ich beim eigentlichen Thema angekommen, nämlich der Bildbearbeitung – oder besser gesagt – der Art, wie ich Bilder bearbeite. Wer erst hier einsteigt, dem empfehle ich, die Teile 1, 2 und 3 vorher zu lesen.

Bevor es richtig losgeht, hier noch eine Warnung. Wie Ihr vielleicht schon am Titel dieser Serie erkennt, bin ich absolut kein Profi in diesem Metier. Ich werde hier auch keine Bedienungsanleitung oder die ultimativen Tips und Tricks zeigen, die aus jedem noch so miesen Foto ein legendäres Kunstwerk werden lassen. So etwas gibt es nämlich, meiner Meinung nach, nicht und diverse Publikationen aller Art, die dies versprechen erzählen einfach nur Mist. Ich muss es wissen, denn ich bin schon selbst darauf hereingefallen 😕. Mein Ziel ist es zu zeigen, wie ich vorgehe um die Ergebnisse zu erzielen, die mir gefallen.

Wie der gut informierte Leser jedweden Geschlechts aus Teil 2 weiß, benutze ich Adobe Lightroom 6, weshalb sich natürlich alle nachfolgenden Beschreibungen hierauf beziehen. Viele Sachen sollten aber ganz oder teilweise auf die anderen am Markt befindlichen Programme anwendbar sein, oft sind einfach nur die verwendeten Begriffe verschieden.

Objektivkorrektur:KamerakalibrierungNach dem Import zäume ich sozusagen das Pferd erst einmal von hinten auf, denn bevor es an irgendwelche Regler geht, gehe ich erst einmal ganz unten in die Menüs „Objektivkorrekturen“ und „Kamerakalibrierung“. Dort schaue ich nach dem Profil und wähle üblicherweise Adobe Standard. Wer eine Kamera hat, die sog. Picture Styles, also kamerainterne Vorgaben für diverse Motivarten, beherrscht, kann hier diese alternativ auswählen. Bei den Objektivkorrekturen setze ich immer das Häkchen bei „Chromatische Aberration entfernen“. Die Aktivierung der Profilkorrektur entscheide ich durch einfaches Ausprobieren, ob es mir mit oder ohne besser gefällt. Bei manchen Objektiven wirkt dieses Häkchen schon wahre Wunder.

02 FreistellungsüberlagerungDann springe ich nach oben in die „Freistellungsüberlagerung“. Was für ein bescheuerter Begriff, denn hier geht es einfach nur um Beschneidung (des Fotos natürlich!!!) und Begradigung. In der Regel versuche ich Beschnitt möglichst zu vermeiden oder gering zu halten indem ich schon beim fotografieren den gewünschten Ausschnitt wähle. Allerdings passiert es mir immer wieder, dass meine Bilder ein wenig schief sind, was ich überhaupt nicht mag und deshalb hier korrigiere. Übrigens: meistens klappt das mit der vorhandenen Automatik mit einem Klick.

03 GrundeinstellungenErst jetzt geht es zum lustigen Reglerschieben in die „Grundeinstellungen“. Hier finden sich, wie sollte es anders sein, die Möglichkeiten der grundlegenden Bildbearbeitung bei den ich folgendermaßen vorgehe. Zuerst schiebe ich die Belichtung auf den (für mich) richtigen Wert, damit die Gesamthelligkeit des Bildes passt. Den Kontrastregler lasse ich (meistens) unberührt, denn ich benutze dafür die folgenden Regler in folgender Weise:

  • Lichter nach links um überstrahlende Stellen (Spitzlichter) herauszunehmen, z. B. von hellen Fenstern, Lampen etc.
  • Tiefen hochziehen um das absaufen dunkler Bildteile zu vermeiden bzw. zu korrigieren.
  • Weiß hochziehen um das Bild strahlender zu machen und einen wirklich weißen Bereich (oder auch nur eine weiße Stelle) zu bekommen.
  • Schwarz runterziehen, damit schwarze Sachen auch wirklich schwarz sind und dadurch schöne Kontraste entstehen.

Am Ende entsteht dann ganz oft so etwas wie ein Buchstabe D. Hier ein Beispiel:

04 LTWS-D

Ach ja, das Drücken der „alt“-Taste beim Schieben dieser Regler zeigt Euch genau, wo Ihr etwas beeinflusst. Sehr hilfreich – also immer machen!

“Klarheit“ verstärkt die Mikrokontraste und eine Anhebung lässt strukturierte Oberflächen (z. B. Holz) oft plastischer und schöner aussehen. Auch bei Food-Fotos kann man hiermit z. B. knusprige Krusten gut herausarbeiten. „Dynamik“ verstärkt alle Farben außer rot, verstärkt eher die weniger gesättigten Farben, berührt stärker gesättigte weniger und verhindert die Übersättigung von Hauttönen, während „Sättigung“ alle Farben gleichmäßig verstärkt oder vermindert, bis hin zu schwarz-weiß. Bei diesen Reglern heißt es ausprobieren und vor allem nicht übertreiben, denn hier kann man schnell etwas versauen. Stellt Euch nur einmal vor Ihr knallt die „Klarheit“ nach rechts und verstärkt so die eigentlich gar nicht vorhandenen Falten im Gesicht Eurer Partnerin zu tiefen Schründen 😉

Diese Art mit „Grundeinstellungen“ umzugehen bezog sich auf farbige Bilder. Wenn ich die Bearbeitung in schwarz-weiß mache gibt es eine deutliche Abweichung, denn hier ziehe ich den Kontrastregler gerne nach rechts, weil ich einfach ein Freund kontrastreicher Schwarzweißbilder bin.

Auch noch ganz wichtig ist, dass das Ziehen eines Reglers Auswirkungen auf die vorher getroffenen Einstellungen anderer Regler hat. Hier muss dann selbstverständlich nachjustiert werden bis das gewünschte Ergebnis erreicht wird.

05 DetailsZum Abschluss meiner Bearbeitung geht es ins Menü „Details“, hier kann das Bild nachgeschärft und von Rauschen befreit werden. Ich benutze hier nur die Regler „Betrag“, „Maskieren“ und „Luminanz“, der Rest ist mir einfach zu kompliziert.

Der kleine Bildausschnitt im Menü hilft Euch bei der Schärfebeeurteilung und kann natürlich innerhalb des Bildes verschoben werden. Ich zoome mir allerdings lieber das Bild auf 100%, schaue direkt an eine Stelle, wo ich Schärfe haben möchte und ziehe dann den Regler auf den gewünschten Betrag. Danach bei gedrückter „alt“-taste dem „Maskieren“-Regler so weit ziehen, bis nur noch das geschärft wird, was auch geschärft werden soll, nämlich die dann weiß dargestellten Bildteile. Das ist ungemein wichtig, denn eine geschärfte glatte Wand oder ein blauer Himmel können sehr schnell grisselig aussehen. Auch bei Gesichtern ist Vorsicht geboten, ich erinnere nur an die oben schon erwähnten Falten.

Wenn das Bild, z. B. wegen hoher ISO-Werte, rauscht, könnt Ihr mit der „Rauchreduzierung“ entgegenwirken. Auch hier immer mit gedrückter „alt“-Taste arbeiten, das Bild wandelt sich zu schwarz-weiß und Ihr könnt sehen, bei welcher Reglerstellung, das Rauschen verschwindet.

Für „Schärfen“ und  „Rauschreduzierung“ gilt auch wieder ganz klar : Vorsicht bei der Anwendung, denn die beiden Effekte sozusagen gegenläufig und man kann ein Bild damit schnell kaputtreparieren. Ein überschärfstes Bild wirkt unschön und pixelig und ein überentrauschtes Bild sieht aus als hättet Ihr bei fotografieren Fett auf der Linse verschmiert. Also auch hier lieber sparsam verwenden und die Regler gegeneinander austarieren.

Das war´s für diesen Teil. Im nächsten lasse ich mich noch zu einigen Specials aus, mit denen ich arbeite, die aber nicht zum Repertoire gehören, das ich bei jedem Bild anwende. Für diejenigen, die wirklich bis hierher durchgedrungen sind, gibt es zur Belohnung noch drei Bilder mit Vorher/Nachher-Vergleich inklusive Blick auf die Einstellungen.

08 vorhernchher03 07 vorhernachher02 06 vorhernachher01

Stay tuned

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3 Kommentare zu „Der Würgefloh oder Gefährliches Halbwissen (4)“

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